Cassandra Wilson ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Die zweifache Grammy-Gewinnerin starb laut Angaben des Hinds County Coroner Jeramiah Howard am Dienstagmorgen in Jackson, Mississippi. Über den Tod der Sängerin, Songwriterin und Produzentin berichtete zunächst Page Six.
Eine Erklärung ihres Managements, die dem Jazzradiosender WBGO vorlag, teilte mit, Wilson sei zu Hause im Kreis ihrer Familie, enger Freunde und ihres Managers friedlich gestorben. Weitere Angaben zu den Umständen ihres Todes wurden in den vorliegenden Informationen nicht genannt.
Wilson wurde in Jackson geboren und wuchs dort als Tochter des Musikers Herman B. Fowlkes und der Lehrerin Mary Fowlkes auf. Ihre musikalische Ausbildung begann früh: Mit sechs Jahren nahm sie Klavierunterricht. Später spielte sie Klarinette in Marching Bands und trat während ihres Studiums am Millsaps College und an der Jackson State University in Kaffeehäusern sowie in Coverbands auf.
Ihre ersten wichtigen Schritte im Jazz machte Wilson Anfang der 1980er-Jahre in New Orleans, wo sie von bedeutenden Jazzmusikern betreut wurde. Anschließend zog sie nach New York City und schloss sich Steve Colemans M-Base Collective an. Dort wurde sie schließlich zur zentralen Sängerin des Ensembles.
Wilson wurde für ihre markante Altstimme bekannt, die traditionelle Grenzen des bluesbasierten Jazz überschritt. Ihre Musik verband folkloristische Einflüsse mit R&B, Country, Pop und weiteren Stilrichtungen. Das Magazin Time bezeichnete sie 2001 als „Amerikas beste Sängerin“ – eine große Formulierung, die bei einer Stimme mit so viel Eigenwilligkeit allerdings nicht völlig aus der Luft gegriffen wirkte.
Insgesamt erhielt Wilson vier Grammy-Nominierungen und gewann zweimal in der Kategorie Best Jazz Vocal Album. Ausgezeichnet wurden „New Moon Daughter“ im Jahr 1997 und „Loverly“ im Jahr 2009.
Eine besondere Verbindung hatte Wilson zu Billie Holiday. 2015 gab sie im Apollo Theater ein Konzert zum 100. Geburtstag der Blues- und Jazzsängerin. Im selben Jahr veröffentlichte Wilson ihr letztes Album „Coming Forth by Day“, das als Hommage an Holiday entstand.
2022 wurde Cassandra Wilson zum National Endowment for the Arts Jazz Master ernannt. Diese Auszeichnung zählt zu den höchsten Ehrungen für Jazzmusiker in den Vereinigten Staaten.
Auch Jon Batiste würdigte Wilson nach ihrem Tod. In einem Nachruf beschrieb er ihre Stimme als Klang des amerikanischen Südens. Er hob außerdem ihren unverwechselbaren Ton, ihre Phrasierung und ihre Fähigkeit hervor, folkloristische, R&B- und diasporische Musik mit experimentellen und populären Genres zu verbinden. Batiste schrieb zudem, Wilsons Herkunft aus Mississippi sei in ihrer gesamten künstlerischen Entwicklung präsent geblieben. 2009 habe sie ihn bei einem gemeinsamen Auftritt im brasilianischen Fernsehen gezeigt; außerdem sei sie eine der ersten Personen gewesen, die ihn auf Welttournee mitgenommen habe.
Jacksons Bürgermeister John Horhn erklärte, die Stadt habe eine außergewöhnliche Tochter und die Welt eine einzigartige musikalische Stimme verloren. Wilson habe den Klang, den Geist und die Geschichte Mississippis überallhin getragen, wo ihre Musik zu hören war. Ihre Arbeit habe Menschen verbunden, Geschichten erzählt und Generationen miteinander in Beziehung gesetzt.
Cassandra Wilson hinterlässt ein Werk, das Jazz nicht als abgeschlossenen Raum behandelte. Ihre Karriere verband die musikalischen Wurzeln ihrer Heimat mit einer weit gefassten, stilistisch offenen Sprache – und bewahrte dabei den persönlichen Charakter ihrer Stimme.
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Jazzsängerin Cassandra Wilson mit 70 Jahren gestorben
Die zweifache Grammy-Gewinnerin Cassandra Wilson ist in ihrer Heimatstadt Jackson, Mississippi, gestorben. Die Sängerin, Songwriterin und Produzentin prägte den Jazz mit einer unverwechselbaren Altstimme und einem offenen Blick auf Blues, Folk, R&B, Country und Pop.
