Hallo. Rhonda hier. Beim Met ist der rote Teppich offenbar schneller ausgerollt als der Plan B fertig werden kann. Neun Monate bleiben dem Museum, nachdem die für Mai 2027 geplante Ausstellung „John Galliano: Horizons“ abgesagt wurde. Die dazugehörige Met Gala war für den 3. Mai 2027 vorgesehen.
Laut Page Six dürfte bereits beträchtliche Vorarbeit in das Galliano-Projekt geflossen sein. Dazu gehörten dem Bericht zufolge die Entwicklung des Konzepts, Recherchen, die Suche nach Archivstücken und das Aufspüren wichtiger Leihgaben. Nun muss das Metropolitan Museum of Art diese Planung ersetzen, ohne annähernd so viel Zeit zu haben wie bei einer regulären Vorbereitung.
Wie Page Six unter Berufung auf Quellen berichtet, wird das Thema der Met Gala normalerweise ungefähr ein Jahr im Voraus festgelegt. Eine weitere Quelle erklärte demnach, manche Themen würden sogar mehrere Jahre vorher entwickelt. Eine Möglichkeit wäre deshalb, eine bereits begonnene künftige Ausstellung vorzuziehen. Eine Schau in vergleichbarer Größe wie das Galliano-Projekt sei in der verbleibenden Zeit allerdings nicht realistisch, heißt es in dem Bericht.
Eine zweite Variante läge direkt im eigenen Bestand des Costume Institute. Die Sammlung umfasst laut Website des Met mehr als 35.000 Werke aus fünf Kontinenten und sieben Jahrhunderten. Vertreten sind unter anderem modische Kleidung, regionale Kostüme und Accessoires für Männer, Frauen und Kinder – vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Daraus könnte das Museum eine thematische Ausstellung zusammenstellen. Nicht glamourös? Doch. Nur eben mit weniger dramatischem Vorlauf und vermutlich deutlich weniger Gelegenheit für kuratorische Akrobatik.
Als radikalste Option steht laut Page Six die Absage der gesamten Gala im Raum. Die Veranstaltung bringt dem Museum Millionen Dollar ein und sorgt zugleich für große Aufmerksamkeit für Vogue. Eine solche Entscheidung wäre allerdings nicht ohne Vorbild: Die Gala fiel 2000 wegen interner Auseinandersetzungen über die kuratorische Kontrolle bei einem geplanten Chanel-Thema sowie nach dem Tod des damaligen Chefkurators des Costume Institute, Richard Martin, aus. Weitere Absagen gab es während des COVID-Lockdowns und nach den Terroranschlägen vom 11. September.
Der aktuelle Konflikt entstand nach Gallianos Rückzug aus der Ausstellung. Der Designer erklärte am Montag in einer Instagram-Mitteilung, nach Gesprächen und längerer Abwägung sei es besser, die Ausstellung derzeit nicht stattfinden zu lassen. Er schrieb außerdem, eine Würdigung seines Werks dürfe das Met nicht in eine schwierige Lage bringen und für manche Menschen schmerzhaft sein.
Gallianos Entscheidung folgte auf deutliche Kritik von Bürgervertretern, Spendern, Mitgliedern des Museumsvorstands und jüdischen Organisationen. Hintergrund ist unter anderem seine Verurteilung durch ein französisches Gericht im September 2011 wegen öffentlicher Beleidigungen aus religiösen, rassistischen oder ethnischen Gründen. Dabei ging es um zwei Vorfälle mit antisemitischen und antiasiatischen Äußerungen, darunter Lob für Hitler. Galliano erhielt eine Bewährungsstrafe in Form einer ausgesetzten Geldstrafe von 6.000 Euro.
Der Designer entschuldigte sich später, machte Drogen und Alkohol mitverantwortlich, ging in eine Entzugsklinik und traf religiöse Vertreter. Zusätzlich beschuldigte die Mode-PR-Fachfrau Lauren London ihn, im Juli 2019 in einem alkoholfreien Spa im italienischen Meran eine Frau wegen ihrer hebräischen Sprache angeschrien zu haben. Ein Vertreter Gallianos wies diese Begegnung gegenüber der Times zurück. Diese Angabe bleibt damit eine bestrittene Anschuldigung und keine bestätigte Tatsache.
Nach Berichten und Angaben von Page-Six-Quellen spielte Anna Wintour eine wichtige Rolle dabei, die Galliano-Ausstellung voranzutreiben. Andrew Bolton, Kurator des Costume Institute, sagte der New York Times im Juli, er habe eine Galliano-Schau bereits seit 2010 erwogen und sich ab 2024 intensiver damit befasst. Er sprach dabei auch über den Umgang mit dem von ihm so bezeichneten „Bruch“ angesichts Gallianos früheren Verhaltens.
Für das Met geht es nun darum, innerhalb weniger Monate eine tragfähige Ausstellung und ein Gala-Thema zu bestimmen – oder die Veranstaltung ausfallen zu lassen. Sicher ist nach den vorliegenden Informationen nur: Der ursprüngliche Plan ist beendet. Alles Weitere ist derzeit eine Auswahl von Möglichkeiten, keine beschlossene Lösung. Aha. Selbst in der Modewelt kann das eigentliche Drama manchmal vor der Anprobe beginnen.
✨ Stars & Gerüchte
Met Gala nach Galliano-Rückzug: Drei Pläne und ein sehr knappes Zeitfenster
Nach dem Aus für die geplante John-Galliano-Ausstellung muss das Metropolitan Museum of Art kurzfristig umdisponieren. Laut Page Six reichen die möglichen Alternativen von einer kleineren Schau bis zur kompletten Absage der Gala 2027.
